Ton, Steine, Handys

Martin Schepers / Christine Moldrickx

Googelt man das Wort „digital“, erscheint an erster Stelle dieser Wörterbucheintrag:

  1. MEDIZIN mithilfe des Fingers erfolgend
    „etwas digital untersuchen“
  2. PHYSIK in Stufen erfolgend; in Einzelschritte aufgelöst
    „digitales Signal (Digitalsignal)“

Von diesen beiden Bedeutungsebenen ausgehend, erkunden wir das Wesen des Digitalen in der Kunst mit einer kollektiven künstlerischen Arbeit, die während des Workshops entsteht.

Die Gruppe teilt sich in Zweierteams auf. Zu Beginn bekommen alle ein Stück Ton und modulieren daraus frei mit den Händen eine Figur. Die fertigen Figuren werden zwischen den Partner*innen ausgetauscht. Jetzt beginnt der zweite Teil: die ausgetauschten Figuren werden inszeniert und mit dem Smartphone fotografiert. Das kann draußen im öffentlichen Raum, aber auch in der Akademie passieren. Diese Bilder sollen dann direkt im Handy mit den verschieden digitalen Werkzeugen der Bildbearbeitungs-App (Farben, Markierungen, Filtern usw.) bearbeitet werden.

Am Ende entsteht ein Ensemble aus haptischen Skulpturen und ihren digital in Szene gesetzten Doppelgängern. Die Fotos werden mit einem Beamer projiziert. In der Projektion können sie extrem vergrößert werden und unterscheiden sich so von den Tonobjekten nicht nur in ihrer Materialität, sondern auch in ihrer neuen Dimension.

Der deutsche Philosoph Ernst Kapp formulierte in der Mitte des 19. Jahrhunderts in seinem Buch „Grundlinien einer Philosophie der Technik“ die Organprojektionsthese: Alles was der Mensch technisch entwirft, ist eine Projektion seiner Leiblichkeit. Der Hammer imitiert die Faust, die Säge imitiert die Schneidezähne. In der Technik, so Kapp, formuliert der Mensch die Bedingungen seiner Erkenntnismöglichkeiten, die ihm zuvor nicht bewusst waren. Wie ist das Verhältnis der digitalen Technik zu unserem Körper? Das ist die leitende Frage dieses Workshops, die jenseits von einem digitalen Dualismus erforscht wird.

Bitte dabei haben: Smartphone und ggf. Tablet

MARTIN SCHEPERS ist bildender Künstler aus Berlin und hat seit Oktober 2018 einen Lehrauftrag für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf in der Grundlehre. Studium der Bildenden Kunst an den Kunstakademien in Münster und Düsseldorf (bei Ulrich Erben, Helmut Federle und Siegfried Anzinger, mit Abschluss als dessen Meisterschüler) sowie der Philosophie an der Universität Münster. Martin Schepers war Stipendiat des Cusanuswerks, der Kunstakademie Düsseldorf, des Centre international d’art et du paysage – Île de Vassivière (F), der Stiftung Kunst Fonds Bonn, der Ruhr Kunstvereine. sowie der Kunststiftung NRW. Katalogförderung der Stiftung Zukunft NRW und der LWL Kulturförderung